Ein erstes Gefühl für den Streckenflug vermittelt jedem Segelflieger der 50km- Flug während der Ausbildung zum Piloten. Doch vergleicht man diese Strecke mit den an fliegbaren Wochenenden durchschnittlich geleisteten Distanzen, sind 50km bewiesener Maßen ein winziger Hoppser. Flugstrecken über 1000km sind im modernen Segelflug keine Seltenheit mehr. Doch vom Anfänger bis zum Streckenflug-Könner ist es ein steiniger Weg. Der Flugsportring Kraichgau e.V. in Sinsheim hat sich schon vor vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, Streckenflug-Anfänger mit einem speziellen Wettbewerb auf die harten Bedingungen unterwegs vorzubereiten.
Im Zeitraum vom 26.05.2012 bis 02.06.2012 - rund um Pfingsten - gibt es den traditionellen Pokal des Pfingstfliegens des Flugsportrings Kraichgau e.V. zu gewinnen. Das Pfingstfliegen ist eine offene Vereins-Konkurrenz, um Neulinge zum Wettbewerbsfliegen zu animieren und in das Wohl und Wehe des Streckensegelflugs einzuweisen. Dieses Jahr, aufgrund des Wetters, steht das Wehe im Vordergrund.
In zwei Klassen, der Standard- und Club-Klasse kämpfen die Teilnehmer der zehn und drei Teams um jeden Kilometer und damit wichtige Punkte für die Gesamtwertung. Ein spezieller Multiplikationsfaktor gleicht unterschiedliche technische Flugleistungen der Segelflugzeuge aus und macht die Tagesleistungen vergleichbar. Die Wettbewerbsleitung übernehmen Wolfgang Weber und Christoph Bechtold.
Das Teilnehmerfeld stammt aus der Region. Aus Eberbach, dem Odenwald, Malsch, Walldorf, Mannheim und Heidelberg. Insgesamt stehen zwei FAI Dreiecke und einmal - dem Wetter geschuldet - eine Strecke mit mehreren Wendepunkten auf dem Programm.
1. Wertungstag:
Es herrscht am ersten Wettkampftag gutes Wetter, was große Eingewöhnungsaufgaben möglich macht. Es werden FAI Dreiecke, von 233km Distanz in der Club-Klasse und 307km in der Standard-Klasse geflogen. Dabei muss ein erster Wendepunkt bei Würzburg, ein zweiter bei Weipertshofen bzw. am Hesselberg passiert werden. Danach geht´s wieder zurück.
Als besondere Schwierigkeit ist starker Wind, der auf den ersten beiden Schenkeln höhere Geschwindigkeiten verhindert, den Rückflug jedoch erheblich erleichtert, zu meistern. Dadurch schaffen es nicht alle Teilnehmer zurück auf den Startplatz in Sinsheim und konnten die Aufgabe nicht vollenden. Außenlandungen gehören bei solchen Wettbewerben eben auch dazu.
Sieger der ersten Herausforderung ist in der Club-Klasse Lennart Pioch mit einem Astir CS, der als einziger in dieser Klasse die Aufgabe vollenden konnte. In der Standard-Klasse entscheidet Franz Figge mit Tina Herrmann in einer DG 505 Elan den Tag für sich.
2. Wertungstag:
Aufgrund des schlechten Wetters entscheidet die Wettkampfleitung, keine Wettbewerbsaufgabe auszuschreiben. Nachdem sich Mittags das Wetter etwas verbessert hat, nutzen die Piloten den Tag noch fliegerisch ohne Wettbewerbsdruck.
3. Wertungstag:
Der dritte Flugtag bringt gutes Flugwetter mit nachlassendem Wind mit. Das ermöglicht wieder FAI Dreiecke von 380km in der Standard-Klasse und 303km in der Club- Klasse. Es geht in der Standard-Klasse erst nach Schweinfurt dann Aalen und zurück nach Sinsheim. Die Club-Klasse muss nach Karlstadt dann Dinkelsbühl und hiernach zurück.
Es stellt sich als besonders schwierig heraus, den letzten Schenkel gegen den Wind bewältigen zu müssen. So kommt es in der Standard-Klasse zu vier und in der Club-Klasse zu zwei Außenlandungen. Als alle Piloten wieder am Startplatz ankommen, werden die Sieger benannt: in der Standard-Klasse ist dies Gerd Weinelt im DuoDiscus und in der Club-Klasse Nicolai Völker mit einem Standard Cirrus. Letzterer gewinnt mit seinem ersten 300km Flug überhaupt. Er gilt nunmehr als Favorit in seiner Klasse.
4. Wertungstag:
Starker Westwind und vorhergesagte Gewitter für den Spätnachmittag schnüren dann leider auch den vierten Wertungstag in seinen Möglichkeiten eng ein. Der Wettkampfleitung ist schnell klar, es werden an diesem Tag keine großen Dreiecksaufgaben geflogen, sondern kleinere Aufgaben um mehrere Punkte. Die Standard-Klasse hat 210km, die Club-Klasse 153km zu bewältigen.
Beide Klassen fliegen zunächst nach Westen über Linkenheim und Heppenheim, dann die
Standard-Klasse nach Walldorf zum Weinsberger Kreuz und zurück, die Club-Klasse nach Malsch und zurück. Dieser Tag endet ohne Außenlandung. Ein Erfolg für alle.
Julian Dittinger entscheidet den Tagessieg in der Standard-Klasse mit seiner LS4 für sich.
Die Club-Klasse gewinnt Yannis Kübler mit dem Astir CS. Es zeichnet sich damit in der Club-Klasse ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen „Y5 Lennart Pioch und Yannis Kübler“ und „Team 07 Nicolai Ludebühl und Nicolai Völker“ ab.
In der Standard-Klasse ist das Feld dreigeteilt. An der Spitze liegen 3 Teams eng beieinander und machen den Sieg wohl unter sich aus. Gefolgt in einigem Abstand von einem dichten Mittelfeld und am Ende abgeschlagen eine weitere Dreiergruppe.
5.Wertungstag:
Auch für diesen Wettkampftag sind von den professionellen Meteorologen schlechtes Wetter mit rasch aufziehenden Gewittern prognostiziert. So entschließen sich die Wettkampfleiter Wolfgang Weber und Christoph Bechtold die erste Assigned Area Task der Geschichte des Pfingstfliegens auszuschreiben.
Bei diesem Aufgabentyp bestimmen die Piloten in einem gewissen Rahmen den Flugweg selbst und haben zahlreiche taktische Möglichkeiten. Durch die Aufgabenauswahl reagiert die Wettkampfleitung auf rasche Wetteränderungen. Trotz aller Vorbereitung kommt eine Wertung nur für die Club-Klasse zustande. Das Wetter ändert sich noch schneller zum Schlechteren als angenommen. Aber auch hier ein Riesen-Erfolg: Die Club-Klasse beendet die Aufgabe komplett. Die Standard-Klasse wird jedoch noch vor dem Start neutralisiert. Florian Muth gewinnt mit der ASK 23 die Club-Klasse.
6. Wertungstag:
Die Wetterprognose sagt „keine nutzbare Thermik am Wettbewerbstag“ voraus. Also wird auch der sechste Tag neutralisiert.
Allen Piloten steht für diesen Tag ein individuelles Ausweichprogramm zur Verfügung, von dem reichlich Gebrauch gemacht wird. Der Abend endet mit einem gemeinschaftlichen Abendessen in Sinsheim.
7. Wettkampftag:
Auch der letzte Tag wird wegen des nicht wettkampftauglichen Wetters neutralisiert. Die Bedingungen erlauben keine Wettkampfaufgaben. Nur freies Fliegen in der Platzrunde und näheren Region verschafft etwas Linderung, von der harten Wettkampfwoche.
Und die glücklichen Sieger nehmen im Rahmen des abendlichen Grillen ihre Pokale in Empfang.
Die Ergebnisse im Überblick:
Clubklasse
Team: Y5 Piloten: Lennart Pioch / Yannis Kübler Punkte: 1.785
Team: 07 Piloten: Nicolai Ludebühl / Nicolai Völker Punkte: 1.592
Team: 95 Piloten: Florian Muth / Ines Weber Punkte: 1.869
Standardklasse
Team: 8T Piloten: Thorsten Backhaus / Max Böttinger Punkte: 2.219
Team: VZ Piloten: Gerd Weinelt / Flugschüler Punkte: 2.163
Team: 04 Piloten: Franz Figge / Flugschüler Punkte: 2.115
Team: AM Piloten: Julian Bittinger / Christian Schober Punkte: 1.768
Team: 3L / VY Piloten: Steffen Ambiel / Wolfgang Aust Punkte: 1.411
Team: 08 Piloten: Tim Beyl / Wolfgang Beyl Punkte: 1.408
Team: OP / VP Piloten: Tim Engelhardt / Daniel Waldvogel Punkte: 1.288
Team: PF / 50 Piloten: Patrick Hermann / Frieder Kluge Punkte: 1.997
Team: XF Piloten: Christoph Bechtold / Wolfgang Weber Punkte: 1.639
Team: HB / FG Piloten: Klaus Stetter / Rudolf Zimmermann Punkte: 1.208
geschrieben von: David Krebs am: 23.06.2012
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